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Kein Arzt in der Nähe?

40 km bis zum Notdienst? - 

Westerwald/Rheinland-Pfalz. Dieses Horrorszenario könnte bald in vielen Regionen des Westerwaldes wahr werden. Es droht das Ende der wohnortnahen medizinischen Versorgung - Kooperation Westerwälder Ärztenetze e.V. wehrt sich gegen Neuregelung der Notdienstversorgung.
Nach dem Beschluss der Kassenärztlichen Vereinigung Rheinland-Pfalz (KV-RLP) ist seit dem 23.09.2009 eine neue Notdienstregelung in Kraft getreten.
„Gegen jede Vernunft und zum Schaden der Bevölkerung sollen riesige, zentralisierte Notdienstbezirke entstehen“, so Dr. med. Sigurd Scholl, Vorstandsvorsitzender der Kooperation Westerwälder Ärztenetze e.V.
Die starre und rigide Neu-Regelung der KV-RLP sieht die Errichtung von Notdienstzentralen in allen Notdienstversorgungsbereichen von Rheinland-Pfalz vor. Dabei wird keinerlei Rücksicht auf die Bevölkerung genommen. Ebenso wenig werden gewachsene und gut funktionierende regionale Strukturen der Ärzteschaft für die Notdienstversorgung berücksichtigt. Nicht einmal, wenn die Ärztinnen und Ärzte vor Ort sich für den Erhalt der aktuellen Versorgung aussprechen.  
„Im Klartext: In ausnahmslos jedem Notdienstbereich soll eine Arztpraxis eingerichtet werden, die ausschließlich zu Notdienstzeiten genutzt werden kann. Die bisherige dezentrale Regelung vieler Notdienstbezirke, also den Notdienst durch die bereits bestehenden wohnortnahen Arztpraxen durchführen zu lassen, entfällt.“, so Scholl.
Man kann sich vorstellen, dass dies zu immensen Mehrkosten führen wird. Diese Mehrkosten sollen durch eine Vergrößerung der Notdienstbezirke ausgeglichen werden. So werden Notdienstbereiche mit einem Durchmesser von bis zu 80 km akzeptiert. Zudem müssen die zwangsverpflichteten Ärztinnen  und Ärzte durch einen monatlichen Beitrag aus der eigenen Tasche den Unterhalt der Notdienstzentralen finanzieren.
Diese ökonomisch unsinnige Lösung wird zu einer extremen Zentralisierung führen: Die Notdienstzentralen sollen nämlich den Krankenhäusern angegliedert werden. Dies bedeutet, dass ländliche Strukturen ohne nahegelegene Krankenhäuser extreme Entfernungen zu einer notärztlichen Versorgung in Kauf nehmen müssen.
Betroffen sind alle ärztlichen Notdienstbezirke in Rheinland-Pfalz.

Ärzte der Kooperation Westerwälder Ärztenetze e.V. wehren sich gegen diese Zerstörung der wohnortnahen medizinischen Versorgung und fordern ein Mitbestimmungsrecht der jeweiligen Notdienstbezirke.
„Warum sollen gut funktionierende, dezentral geführte Notdienstbezirke ohne Rücksicht auf die Bevölkerung und gegen den Willen der zum Notdienst verpflichteten Ärzte zerstört werden?“,  so Scholl.“ Wo es bereits funktionierende Notdienstzentralen gibt, die von der Ärzteschaft in Eigenregie mit Augenmaß aufgebaut wurden, sollen diese auch fortgeführt werden“
Die Ärzte fordern daher bei der Umsetzung der neuen Bereitschaftsdienstordnung gegebene und gewachsene Strukturen zu berücksichtigen und damit eine Abkehr von der spielraumlosen und starren Bereitschaftsdienstregelung der KV-RLP. Die Ärztinnen und Ärzte vor Ort können selbst einschätzen, wie hoch die Arbeitsbelastung der Notdienste ist und welchen Einfluss das auf die Attraktivität des Arbeitsplatzes Arztpraxis für den ärztlichen Nachwuchs hat.

Dabei soll die Entfernung zur ärztlichen Notversorgung möglichst gering gehalten und  existierende, gut funktionierende Notdienstbereiche erhalten werden.
Die Kooperation Westerwälder Ärztenetze wertet die kompromisslose Haltung der Kassenärztlichen Vereinigung hinsichtlich der Übernahme der Organisation der Notdienstversorgung  und deren Umsetzung vor dem Hintergrund des zunehmenden Einflussverlustes der Kassenärztlichen Vereinigungen  als  Schachzug, sich neue Einflussräume zu sichern und unentbehrlich zu machen.
Die Kooperation  Westerwälder Ärztenetze vertritt die Interessen von 230 niedergelassenen Ärzten aller Fachrichtungen im nördlichen Rheinland-Pfalz.
Seit der Gründung im Jahr 2002 wächst die Kooperation zunehmend und umfasst derzeit 10 eigenständige Netze im gesamten Westerwald. Neben gesundheitspolitischen Aufgaben arbeitet der Dachverband an Projekten zur Qualitätsverbesserung der medizinischen Versorgung der Patienten und an der Zusammenarbeit aller Leistungserbringer im Gesundheitssystem.

Weitere Infos:  www.ww-aerztenetze.de, www.medis-westerwald.de

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